
22 Jahre - gegen weitere Erschließungen der Silvretta Seilbahn AG
Ischgl
17 Jahre - SILVRETTA ALLIANZ
Nach Einweihung der Silvrettabahn Ischgl am 12.01.1964 erreichte
in den Jahren 1976 bis 1983 die Expansion der Silvretta-Ski-Arena-Ischgl/Paznaun
(SSAG), später in Silvretta-Ski-Arena-Ischgl/ Paznaun·Samnaun
ihren Höhepunkt.
Immer neue Projekte wurden geplant und ausgeführt und als in den
Prospekten der SSAG 1976 geplante Seilbahnen bzw. Lifte am Piz Val Gronda
und von der Heidelberger Hütte zum Zahnjoch auftauchten, war das
Maß voll. Der damalige 1.Vorsitzende der DAV-Sektion Heidelberg,
Fridolin Scholz protestierte in Ischgl gegen diese weitere Ausdehnung
ins Vorfeld und bis ins Gebiet der Heidelberger Hütte, auf schweizer
Seite. Gleichzeitig wurden mit den zuständigen schweizer Gemeinden
Gespräche geführt, um von dieser Seite Unterstützung
gegen weitere Projekte dieser Art zu erhalten.
Tatsächlich wurde durch eine Vereinbarung mit Ischgl erreicht, daß die
Seilbahn von der Heidelberger Hütte zum Zahnjoch aus dem SSAG- Prospekt
ab 1982 wieder herausgenommen wurde, aber die Seilbahnen zum Piz Val
Gronda blieben bzw. Ischgl dachte jetzt verstärkt daran, dieses Projekt
in den nächsten Jahren zu verwirklichen.
Gleichzeitig waren von den Luftseil-bahnen Samnaun AG Bahnen zum Zeblasjoch
und Lifte auf der Ravaischer- und Planer-Salaas geplant. Um diesem weiteren
Erschließungsdrang entgegenzuwirken, wurde vom Vorsitzenden der DAV-Sektion
Heidelberg 1982/83 eine Initiative gegen diese Bestrebungen ins Leben
gerufen. Am 30.10.1983 erfolgte dann ein Aufruf zu einem "Grenzüberschreitenden
Ruhegebiet" für den "Sanften Tourismus" für die Gebirgsgruppe der Silvretta.
Es wurden Kontakte zum Hauptverein des DAV, des OeAV
und SAC, sowie anderen Naturschutz-Organisationen aufgenommen. Es folgten
Gespräche mit dem damaligen Landesrat Dr. A.Partl im Innsbrucker Landeshaus
und Vertretern der Gemeinden im Paznauntal. Der Südwestdeutsche Sektionentag
des DAV 1984 beschloß "einstimmig" eine Resolution zu dem von der DAV-Sektion
Heidelberg vorgeschlagenen "Ruhegebiet Silvretta".
Auf der DAV-Hauptversammlung in Bonn, im gleichen Jahr, lehnte der damalige
1.Vorsitzende des DAV, Dr. März eine Abstimmung über eine solche Resolution
ab, allerdings beschloß diese der Hauptausschuß in seiner internen Sitzung
vor der HV, was in einem Schreiben des DAV bestätigt wurde. Die Tiroler
Landesregierung sicherte zu, daß keine Genehmigungen für Seilbahnprojekte
am Piz Val Gronda erteilt werden. Scheinbar hatte man in Ischgl zunächst
auch nicht genügend finanzielle Mittel, sodaß die Angelegenheit ruhte
(Fridolin Scholz gab 1984 aus beruflichen Gründen den 1.Vorsitzenden
der DAV-Sektion Heidelberg ab).
In einem Schreiben von 1986 bestätigte die Tiroler Landesregierung,
auf Anfrage, daß 1986 und weiterhin keine weiteren Erschließungen, vor
allem am Piz Val Gronda, geplant sind.
Der in der Zwischenzeit wieder aus dem Ausland zurückgekehrte F.Scholz
wurde durch einen Artikel i n der "Oberländer Wochenzeitung" vom 20.04.1988
aufgeschreckt, in dem es heißt: "Ischgl: Erschließung geht weiter",
wobei die früher geplanten Erschließungen am Piz Val Gronda wieder aufgegriffen
werden sollen.
F.Scholz frischt seine früheren Kontakte zu Alpenvereinen und Naturschutz-Organisationen
wieder auf. Scholz erhält vor allem Unterstützung vom OeAV-Vorsitzenden,
seitens des SAC, der DAV-Sektion Oberland und der CIPRA, außerdem hilft
die Schutzgemeinschaft Alpen (SGA) bei den notwendigen Schritten, die
eingeleitet werden müssen.
F.Scholz gründet mit Unterstützung von Freunden, jetzt
als Sonderbeauftragter der DAV-Sektion Heidelberg für das "Ruhegebiet
Silvretta", die Interessengemeinschaft "SILVRETTA ALLIANZ" (SiA) am
18.08.1988.
Nun geht es Schlag auf Schlag! Namhafte Persönlichkeiten von Alpenvereinen
und Naturschutz-Organisationen aus der BRD, Österreich und der Schweiz
geben ihre Unterschrift und Unterstützung der SiA.
Die DAV-Naturschutzreferenten-Tagung vom 21.-23.10.1988 unterstützt
den Antrag der SiA-Forderung einstimmig (ohne Gegenstimmen und Stimmenthaltungen).
DAV-Sektionen, DAV-Mitglieder und Privatpersonen unterstützen die SiA
mit ihren Unterschriften und finanziell.
Internationale Unterstützung erhält die SiA durch
die Resolution mit den Unterschriften namhafter Persönlichkeiten und
Verbände aus der Bundesrepublik, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein
!

In Briefen an das Wirtschaftsministerium und das Familien-
und Umweltministerium in Wien, sowie an die Tiroler Landesregierung,
beschwört man diese Regierungsstellen, keine Genehmigungen für die Seilbahnen
zum Piz Val Gronda zu erteilen.
Ischgl erhält dann 1988 zwar die Genehmigung für die bereits früher
geplante Seilbahn von der Gampen-alpe zum Paulinkopf (diese Seilbahn
liegt außerhalb des geplanten Ruhegebietes), aber für die Genehmig-ung
der ebenfalls ersten geplanten und beantragten Seilbahn zum Piz Val
Gronda wird vom Wirtschafts-ministerium Wien keine Konzession erteilt,
wie der SiA mit Schreiben vom 15.09.1988 mitgeteilt wird. F.Scholz und
seine Freunde atmen auf, der erste Ansturm ist zurückgeschlagen.
In der Zwischenzeit hat sich der "Bündner Naturschutzbund" mit Datum
vom 25.10.1988 mit einem Zusatz der SiA-Forderung angeschlossen, der
die Samnauner Seite, schweizer Seite, betrifft.
Die neue SiA-Parole heißt:

Aber die Freunde um F.Scholz und die SiA sind sich einig,
die Hände dürfen nicht in den Schoß gelegt werden.
Dokumentationen wie, Problemstellungen, Beschreibungen, Begründungen
zur Unterschutzstellung u.a. werden erstellt. Kontakte zu den österreichischen
Behörden werden ausgebaut und verstärkt. Der Bischof von Innsbruck,
Dr. Reinhold Stecher sagt seine Unterstützung zu.
1989 entsteht ein regelmäßiger Informationsdienst für die SiA. Öffentlichkeitsarbeit
wird, soweit es möglich ist, betrieben. Das kostet natürlich nicht nur
Zeit, sondern auch Geld, Spenden von Freunden helfen!
Im August 1989 wird eine dreijährige "Nachdenkpause" durch
die Tiroler Landesregierung in der Seilbahnpolitik proklamiert. Es werden
wieder keine Konzessionen für Ischgler Seilbahn-Anträge erteilt. Die
Freunde in der SiA dürfen nun vielleicht hoffen! Aber Ischgl gibt keine
Ruhe. In Zeitungsnotizen vom Sept. 1989 werden weiter Forderungen, die
geplanten Seilbahnprojekte betreffend, erhoben.
Gegen F.Scholz wird durch den Gemeinderat Ischgl massiv vorgegangen.
Von der DAV-Sektion Heidelberg verlangt man, daß die Tätigkeit von Scholz
verboten wird, ja, daß Scholz möglichst aus der Sektion ausgeschlossen
wird. Aber die DAV-Mitgliederversammlung in Heidelberg erteilt dem anwesenden
Vertreter Ischgl's eine Abfuhr.
Die Internationale Alpenkonferenz der Umweltminister der
7 Anliegerstaaten am Alpenraum hat durch ihre Initiative zu einer "Alpenkonvention"
vom 10.-11.10.1989 in Berchtesgaden die Bemühungen der SiA,um Ausweisung
von Ruhezonen, bestätigt. Es folgte 1990 ein Appell an die Landesregierungen
von Tirol, Vor-arlberg und Graubünden, ebenso wie an die Umweltminister
von Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Das zuständige Bundesamt für die Zeblasbahn im Samnaun erteilt zwar
die Konzession für eine Zeblasbahn, aus juristischen Gründen, jedoch
nicht die Genehmigung für den Bau, da Grundstücksfreigaben seitens der
Besitzer verweigert werden. So kommt es zur Planung einer "Metro-Bahn"
von Samnaun zum Pauliner-Kopf. Aber auch diese Bahn ist mit Kosten von
40 Mio Schweizer Franken (die sich später auf 60 Mio SF erhöhen) umstritten
(der Bau wird später nach langem Tauziehen nicht genehmigt).
Auf österreichischer Seite wird im März 1991 Weingartners "Tiroler Weg"
im Tourismus ausgerufen, ein fünfjähriges "Gentlemen's Agreement". Wird
sich dadurch die "Tourismuswelt", im Sinne der SiA, zum Guten wenden?
Durch den Tiroler Landesrat Ferdinand Eberle wird mit
Brief vom 6.05.1991 der SiA mitgeteilt:
... "Ich bedanke mich für Ihr Schreiben vom 29.
Februar 1991 betreffend den Erschließungsstop im Vesiltal. Wie Ihnen
sicherlich bekannt ist. hat die Tiroler Landesregierung schon im Jahre
1999 einen Erschließungsstop für neue Schigebiete ausgesprochen und
ist bemüht, diesen auch einzuhalten. Gerade im Bereich der Silvretta
ist eine Erschließungsdichte erreicht, welche weitere großräumige Erschließungen
keinesfalls mehr zulassen wird. Ich unterstütze daher ebenfalls Ihre
Bemünungen für einen Erschließungsstop in diesem Gebiet." ...
Bei der SiA atmet man auf und hofft wieder!
"An der ARGE-ALP-Konferenz stimmten am 21.06.1991
in Meran die Regierungschefs der Regionen, allerdings unter Enthaltung
Graubündens, für die Realisierung der Alpenkonvention."
Ein Appell an das österr. Umweltministerium in Wien,
bei der Bearbeitung der Alpenkonvention, die Sil-vretta als Ruhegebiet,
als Gebirge zwischen verschiedenen Ländern, als Musterobjekt zu bevorzugen,
ergibt zwar keine Zusage, aber zumindest eine positive Rückantwort.
Die Antwort auf ein weiteres Schreiben zur Bearbeitung eines "Ruhegebietes
Silvretta", im Rahmen der Alpenkonvention, lautet u.a.
"Ihr besonderer Appell wird im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten
in die bevorstehenden Protokollverhand- lungen sowie in Diskussionen
weiterer davon berührter Subarbeitsgruppen einfließen."
So hofft die SiA 1992 weiter, im Rahmen ihrer Ziele, auf
Hilfe und Zustimmung bei der Alpenkonvention, der ARGE-ALP und des Kantons
Graubünden hinzuarbeiten. Gleichzeitig sollen alle Beteiligten aufgefordert
werden, zur Realisierung eines "Ruhegebietes Silvretta", wie seit 1983
gefordert, beizutragen. Dies in Anlehnung an die bereits bestehenden
Landschafts- und Pflanzenschutz- sowie Naturschutz- und Ruhege-biete
und Schutzzonen für Wald und Wild, wie sie auf schweizer Seite bereits
teilweise bestehen.